Die Einnahmen der Musikgesellschaft schnellten per Ende 1907 auf beachtliche Fr. 1'706.54 und ein Aktivsaldo von Fr. 156.15 wird von der Versammlung am 19.01.1908 gutgeheissen.
Schlussbemerkung des Sekretärs Zurschmiede im Protokoll der Hauptversammlung 1908:
"Die Jahresversammlung verlief recht gemütlich. In den 40 Liter Bier war manches Lied enthalten. Möge noch manches Jahr der Stern der Eintracht und des Zusammenhaltens ruhen in der Musikgesellschaft Wilderswil."
Die Fahnenweihe wurde auf 5. April 1908 festgelegt.
Am 5. April 1908 fand die Einweihung unserer prächtigen Fahne statt.
Da am gleichen Morgen Schneegestöber eintrat, und es uns fast reute, unsere schöne Fahne zum ersten Male im Schneegestöber, statt bei schönsten Sonnenschein flattern zu lassen, kamen am frühen Morgen noch unser Vorstand und einige Mitglieder von der ausgeschaffenen Kommission zusammen um zu besprechen, ob die Feier abgehalten werden solle oder nicht.
Nach einer kürzeren Unterredung kam man doch zum Entschluss, die Feier nach Beschluss, welcher am 5. April ergangen ist, abzuhalten. Mittags 12 ½ Uhr sammelten sich sämtliche Vereine in ihren Lokalen.
Nachmittags 1 Uhr sollte der Abmarsch sämtlicher Vereine vom Gasthof zum Restaurant Hirschen zur kirchlichen Feier stattfinden. Leider fehlte aber unser Götti, die Musikgesellschaft Interlaken, diese war aus verschiedenen Gründen gehindert, auf festgesetzte Zeit zu erscheinen.
Trotz Telefonieren war nach einer Stunde noch niemand da, sogleich wurde der Zug nach der Kirche arrangschiert. Erst als die kirchliche Feier bald zu Ende war, traf der verspätete Götti doch noch ein, wie unser Hr. Pfarrer sagte: "Es komme viel vor, dass der Götti zu spät zur Taufe erscheint, deshalb werde aber die Taufe gleichwohl fortgesetzt" - und so geschah es auch bei der Taufe unserer schönen Fahne.
Nach der kirchlichen Feier wurde der Zug durch die Ortschaft veranstaltet, und Trompeten- schall und Trommelwirbel lösten einander in unserem stattlichen Zuge ab. Nachdem kamen sämtliche Vereine in die ihnen angewiesenen Wirtschaften, wo allen ein schmackhaftes Zvieri wartete.
Abends 8 Uhr trafen sämtliche Vereine, wie auch weiteres Publikum im Saale zum Kreuz zusammen, wo es lustig und fidel zuging bis spät in die Nacht, und niemandem hätte man die Missstimmung vom Mittag angesehen.
1908 - Reise über die Grosse Scheidegg nach Meiringen
Der Bericht des Sekretärs Jakob Ryser lautet abgekürzt wie folgt:
"Trotz dem unbeständigen Wetter wurde unsere vorgesehene Reise gleichwohl ausgeführt. Wir fuhren ca. um 7 Uhr von hier ab. Ankunft in Grindelwald 8 Uhr abends. Von da bis zum Hotel Jungfrau. Von Konzert war aber keine Rede, einige Stücke wurden zum Besten gegeben, nachdem allgemeines Gaststubenleben. Um 1 Uhr nachts gab es endlich Jubeltöne mit Witzvorträgen. Plötzlich kam es mit einem scharfen Regen. Endlich gab der Regen nach und um 3 Uhr verzogen sich die Wolken teilweise und man kam zum Entschluss aufzubrechen.
Um halb vier Uhr ging’s fort der Grossen zu, aber bei einzelnen Mitgliedern noch ein wenig schläfrig. Morgens 6.20 Uhr erreichten wir das Hotel.
Sofort trat unsere Tanzmusik in Aktion, samt Instrumenten wurde getanzt. 8 ½ Uhr Abmarsch nach Meiringen, mit 1stündigem Aufenthalt im Rosenlaui. Endlich ging’s die steile Strasse hinab Willigen zu und um 12 Uhr langten wir im Hotel Hirschen in Meiringen an. 3 - 3 3/4 Uhr Konzert daselbst.
4 Uhr Abfahrt per Bahn der Heimat zu, wo wir dem 7 Uhr anlangten.
Sämtliche Mitglieder werden wohl ihr Nachtlager früher aufgesucht haben als die Nacht vorher."